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Weiter geht´s beim Friseur

Da ich keinen Kurzhaarschnitt haben möchte, vertragen meine Haare aktuell keine weiteren Experimente. Daher habe ich beschlossen, sie mir bei Anita schneiden und beim Dorffriseur färben zu lassen. Die Farbe war ja das einzige, das damals gut gelungen war.

Was für ein Luxus! An zwei aufeinanderfolgenden Tagen in einem gemütlichen Stuhl zu sitzen und die Haare gemacht zu bekommen – selbstverständlich beide Male mit Waschen und allem Pipapo. Spart schließlich die Wasserkosten zu Hause.

 

Der erste Termin war erfolgreich, nicht teuer und sehr entspannend. Es wurde nett geplaudert und viel gelacht.

Ich sah danach nicht aus wie der Gartenschere verschönert. Ein voller Erfolg!

 

Anders beim zweiten Termin.

 

Ist es ein schlechtes Omen, wenn alle drei Kundenparkplätze vor dem Friseur frei sind? Hm… Nun ja, wird sind hier im Dorf und da kommen die Leute wohl zu Fuß…

Ist es als kritisch anzusehen, wenn man am Eingang des Coiffeurs das Gefühl hat, als seien alle in der Winterpause? Hm… Habe ich mich vielleicht in der Uhrzeit vertan?

Beherzt die Tür aufgerissen, es ist niemand da. Kein Kunde, keine Friseurin. Unschlüssiges Stehen am Tresen.

Ach! Da kommt ja jemand!

Keine Begrüßung, nur ein Nicken.

„Setzen Sie sich!“ Oha, ich bin beim Militär gelandet.

„Wo?“, frage ich mit piepsiger Stimme und ärgere mich schon, dass ich überhaupt einen Fuß hierein gesetzt habe.

„Wo Sie wollen!“ Das ist ja mal eine Aussage, kriege ich hin.

Nein, ich bekomme die Jacke nicht abgenommen und nein, ich bekomme nicht gesagt, wo sich die Garderobe überhaupt befindet.

Ich entdecke sie und hänge meine Jacke samt Schal auf. Es handelt sich um IKEA-Bügel, das sagt mir das Preisschild.

„Was machen wir?“ OK, ich kann mich anpassen. Stakkato kann ich auch.

„Ansatz der Strähnchen!“

„Farbe?“

„Wie aufgeschrieben!“

„Von wem?“

„Keine Ahnung!“

„Name?“

Ich nenne meinen vollständigen Namen.

Sie verschwindet.

„Nicht aufgeschrieben!“

„Doch, ich war dabei und hab`s gesehen!“ („Ich weiß was, Frau Lehrerin!")

Nach einer Ewigkeit: „Da haben wir´s ja! Ach, Edith ist nicht der Nachname?“

„Nein.“ (Bin ich hier bei „Versteckte Kamera“?)

Ich sehe das mal positiv. Immerhin ist die Farbnummer gefunden worden.

 

Die Farbe wird angerührt, Alufolienstreifen sind vorbereitet, es geht los.

Die Friseurin schafft es, 20 Minuten lang nicht einen (!!!) Ton zu sagen. Immer wieder denke ich darüber nach, ob ich nicht irgendwie mit meinem Fuß meine Handtasche vom Boden klaube, um an mein Kindle zu kommen… Aber irgendetwas hält mich davon ab – vielleicht der militärische Ton? Ich sitze also brav da und sehe bald aus wie E.T., der nach Hause telefonieren will.

Während ich 45 Minuten alles einwirken lassen muss, kommt ein Herr an den Tresen. Dieser wird begrüßt mit „Zu früh! Hinsetzen hier!“

Er und ich schauen uns durch den Spiegel an und ich breche in schallendes Gelächter aus. Das hält man doch im Kopf nicht aus!

Wo sind wir hier bloß gelandet?

Die Strafe folgt sofort!

Ich bekomme die Haare fast verbrüht, den Rücken geduscht, die Schminke verläuft und ich komme mir vor wie beim HNO, der mir gerade eine Ohrspülung macht.

Ist das zu toppen? Definitiv ja! Ich werde eiskalt gefönt! Es ist furchtbar kalt und echt eklig! Scheinbar ist der Fön kaputt oder wir sind hier wirklich in einem Trainingslager. Das nächste Mal muss ich durch einen Tunnel robben… Ich bin mir sicher!

Zur Krönung ist es dann auch noch sauteuer!

Aber: Die Haare sehen gut aus und ich hatte jede Menge Stoff zum Schreiben! Und abgehärtet bin ich auch!

 

Trotzdem sieht mich dieser Laden nun definitiv NIE wieder!

 

 

5.1.15 22:10
 
Letzte Einträge: Friseure im Dorf, Ausflug nach Oppenheim - Teil 1, Ausflug nach Oppenheim - Teil 2, Alltagsbewunderung, Weihnachten2


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